BLOG

Vom Rohbau zur Kulturfläche

Wie im Johann Kontor Hamburg ein Raum für Kultur und Gemeinschaft entstand – ein Projektbericht von Lea Reckziegel

Das Johann Kontor gehört zu den markanten Adressen der Hamburger Innenstadt. Als die Office Group hier bereits die Büroflächen für Maersk ausgebaut hatte, kam eine zweite Fläche im selben Gebäude hinzu – mit angemietet im Zuge des Büromietvertrages. Doch diesmal ging es nicht um Schreibtische und Meetingräume.

Die Idee: ein Raum für Kultur und Gemeinschaft. Vielseitig nutzbar, offen gedacht. Untervermietet an die Stiftung für historische Museen Hamburg – eine Nutzung, die weit über das hinausgeht, was wir als Office Group normalerweise realisieren.

Für mich persönlich war dieses Projekt ein besonderer Moment. Es war mein erstes eigenes Projekt in der Office Group. Die Verantwortung, die mir geschenkt wurde – von der Planung über die Bemusterung und Designideen bis hin zur Bauleitung – war ein großer Vertrauensbeweis.

Die Ausgangslage: Technik, Auflagen und ein Grundausbau, der schon da war

Wer die Fläche vor Baubeginn gesehen hat, verstand sofort die Herausforderung. Im Zuge des vorangegangenen Grundausbaus war bereits enorm viel Technik verbaut worden – Lüftungsanlagen, Sprinklersysteme, Kabeltrassen, alles unter einer offenen Decke. Unsere Aufgabe war es, darauf aufzusetzen. Oder besser: um diese bestehende Infrastruktur herum zu bauen.

Dazu kamen Nutzungsanforderungen, die für die Office Group Neuland bedeuteten. Unser Standard ist der Umbau von Büroflächen. Hier aber sollte eine Kultur- und Versammlungsstätte entstehen – mit allen Auflagen und Anforderungen, die das mit sich bringt. Brandschutz, Fluchtwege, Versammlungsstättenverordnung: ein völlig anderer regulatorischer Rahmen als bei einem Büroprojekt.

Bauen unter Anpassungsdruck

Was auf dem Papier als Plan stand, musste auf der Baustelle immer wieder angepasst werden. Unvorhergesehene technische Umstände und Behinderungen gehörten zum Alltag. Zeitpläne wurden stetig neu justiert, Planungen während der laufenden Baustelle überarbeitet.

Die enge Abstimmung mit den Gewerken war dabei entscheidend. Einige davon hatten wir bewusst ausgewählt – andere mussten wir als Pflichtgewerke aus dem Grundausbau übernehmen. Beide Konstellationen erforderten präzise Koordination und eine durchgehende Kommunikation auf Augenhöhe.

Die Verwandlung

Und dann steht man in der fertigen Fläche und erkennt den Rohbau nicht wieder. Der große Saal empfängt mit warmem Holzparkettboden und einer klaren, reduzierten Ästhetik. Deckenhohe Fenster mit schlichten weißen Vorhängen lassen den Raum atmen. Die gesamte Technik – Lüftung, Sprinkler, Elektrik – ist sauber integriert, die Beleuchtung über Schienenspots und LED-Lichtbänder präzise gesetzt.

Was vorher ein Dickicht aus Rohren und Kabeln war, ist jetzt eine Deckenlandschaft, die technische Leistungsfähigkeit elegant verbirgt – ohne sie zu verleugnen. Die offene Deckenstruktur bleibt lesbar, aber geordnet.

Mehr als ein Saal: der Empfangsbereich

Eine Kulturfläche braucht mehr als einen großen Raum. Der Empfangs- und Cateringbereich zeigt, wie vielseitig die Fläche gedacht ist. Eine großzügige Thekenanlage mit Spüle und Anschlüssen ermöglicht Veranstaltungsbewirtung. Die Pendelleuchten in Kupfer und Messing setzen einen warmen Akzent gegen die klare, weiße Formensprache.

Vom Eingangsbereich mit seinem Schmutzfang bis zur durchgängigen Bodengestaltung – jedes Detail ist auf eine Fläche ausgelegt, die Abend für Abend funktionieren muss: als Ausstellungsraum, als Veranstaltungsort, als Ort der Begegnung.

Ein Blick von außen

Von der Straße aus betrachtet fügt sich die Kulturfläche in die Architektur des Johann Kontor ein, als wäre sie immer dagewesen. Die großen Glasflächen geben den Blick frei auf den beleuchteten Innenraum – eine Einladung, die ohne Worte funktioniert.

Was bleibt

Dieses Projekt hat mich als Projektleiterin gefordert wie kein anderes zuvor. Die technische Komplexität, die ungewohnten Nutzungsanforderungen, die laufenden Anpassungen – all das hat gezeigt, was passiert, wenn ein eingespieltes Team sich auf Neuland einlässt.

Die Fläche wurde inzwischen final an Maersk übergeben. Und mit ihr ein Raum, der zeigt, was die Office Group kann, wenn alle Gewerke ineinandergreifen – von der Planung über die Elektrotechnik und TGA bis zur Projektsteuerung.

Lea Reckziegel
Projektleiterin
Office Group Hamburg
l.reckziegel@office-group-planen-bauen.de

→ ORTE, die berühren → TECHNIK, die trägt → HALTUNG, die bleibt