Wie ein Workshop am Achensee zeigt, was kein Fragebogen erfassen kann
Ende November 2025. Wir sitzen im Fürstenhaus am Achensee – unsere Teamleiterinnen und Teamleiter aus ganz Deutschland. Draußen liegt der erste Schnee. Drinnen steht Guido Beier vor einem Flipchart und schreibt eine Frage auf, die so einfach klingt, dass man sie fast überhört:
„Welche Bedürfnisse habe ich?“
Nicht: Welche Bedürfnisse hat das Team? Nicht: Was braucht das Unternehmen? Sondern: Was brauche ich. Und in diesem Moment wird es still im Raum.
Warum ein Fragebogen nicht reicht
In vielen Unternehmen gibt es Mitarbeiterbefragungen. Zufriedenheitsindizes. Engagement-Scores. Die Ergebnisse werden ausgewertet, in PowerPoint-Folien gegossen und der Geschäftsleitung präsentiert. Wir haben solche Befragungen selbst durchgeführt. Sie haben ihren Wert. Aber sie haben auch eine Grenze: Sie erfassen, was Menschen ankreuzen – nicht, was Menschen wirklich fühlen.
Auch die aktuelle Studie aus unserem Netzwerk Office 21 zeigt, wie wichtig es ist, über die üblichen Befragungen hinauszugehen – denn die Faktoren, die Innovation wirklich treiben, sind nicht die, die man in einem klassischen Zufriedenheits-Score findet.
Was Guido macht, ist anders. Er gibt den Menschen keine Fragen vor. Er gibt ihnen Werkzeuge an die Hand, um selbst herauszufinden, was sie brauchen.
77 Bedürfnisse – und die Kunst der Selbsterkenntnis
Die 77 Human Needs, mit denen Guido arbeitet, sind keine Wunschliste. Sie sind eine Landkarte der menschlichen Seele. Aufgeteilt in fünf Bereiche: physiologische Bedürfnisse, sensorische, aktionale, soziale und ideale. Klingt abstrakt? Wird es nicht, wenn man mittendrin steckt.

Da liegt plötzlich eine Karte mit dem Wort „FREIHEIT“ vor dir. Leuchtetend sie auf dem Tisch. Und du fragst dich: Wie wichtig ist mir Freiheit eigentlich? Nicht theoretisch – sondern jetzt, in meinem Leben, in meiner Arbeit?
Dann kommt eine andere Karte: „ANERKENNUNG„. Und noch eine: „ZUGEHÖRIGKEIT„. Und langsam entsteht ein Bild – Dein Bild. Niemand sagt dir, was richtig ist. Es gibt keine Musterlösung. Es gibt nur dich und die Frage: Was brauchst du wirklich?
Der Unterschied zwischen Motivation und Gewohnheit
An diesem Workshop-Tag sprachen wir auch über etwas, das mir sehr am Herzen liegt: den Unterschied zwischen Motivation und Gewohnheit. Motivation ist wie ein Streichholz – sie brennt kurz hell und ist dann wieder weg. Wer kennt das nicht? Der Vorsatz im Januar, mehr Sport zu machen. Die Begeisterung nach einem inspirierenden Vortrag. Das Gefühl, jetzt endlich alles zu ändern. Drei Wochen später ist davon oft nichts mehr übrig.

Gewohnheiten sind anders. Sie sind wie ein Feuer, das du Tag für Tag nachlegst. Kleine, wiederkehrende Schritte, die dich in die Richtung bringen, in die du gehen willst. Nicht spektakulär. Aber wirksam. Wenn du wirklich etwas verändern willst – beruflich oder privat – dann beginne bei deinen Routinen. Das ist eine der Erkenntnisse, die aus Guidos Arbeit kommen. Und sie verändert, wie Menschen über persönliche Entwicklung nachdenken.
Emotionen als Kompass
Was mich an diesem Ansatz besonders berührt: Er nimmt Emotionen ernst. In vielen Unternehmen gelten Gefühle als unprofessionell. Wut? Bitte nicht im Meeting zeigen. Angst? Besser nicht ansprechen. Trauer? Dafür ist hier kein Platz. Aber Emotionen sind keine Störung. Sie sind ein Signal.
Wut zeigt oft: Jemand hat deine Grenze überschritten. Angst macht deutlich: Hier ist dir etwas wirklich wichtig. Freude zeigt: Das hier passt zu dir. Wenn wir lernen, diese Signale zu lesen, statt sie wegzudrücken, dann verstehen wir uns selbst besser. Und wir verstehen auch, warum bestimmte Situationen uns belasten und andere uns beflügeln.
Was am Achensee passiert ist
Ich habe an diesem Tag im Fürstenhaus Momente erlebt, die ich nicht vergessen werde. Menschen, die seit Jahren bei uns arbeiten und die ich gut zu kennen glaubte, haben Dinge über sich erzählt, die mich überrascht haben. Nicht weil sie dramatisch waren, sondern weil sie ehrlich waren.

Da war der Teamleiter, der erkannt hat, dass sein größtes Bedürfnis „Wirksamkeit“ ist und der plötzlich verstand, warum ihn manche Projekte erfüllen und andere nicht. Da war eine Kollegin, die merkte, dass „Zugehörigkeit“ für sie wichtiger ist als „Anerkennung“ – und die aufhörte, um Sichtbarkeit zu kämpfen, und anfing, echte Verbindungen zu suchen. Das sind keine Kleinigkeiten. Das sind Erkenntnisse, die Lebensläufe verändern können.
Der Applaus am Ende
Am Ende des Workshops gab es einen Moment, der alles zusammenfasste. Alle standen auf und applaudierten. Nicht für Guido allein – für sich selbst. Für die Reise, die jeder an diesem Tag gemacht hatte.
Das war kein höflicher Beifall. Das war Erleichterung. Dankbarkeit. Und ja, auch ein bisschen Gänsehaut. Denn das ist es, was passiert, wenn Menschen sich selbst begegnen: Sie kommen anders heraus, als sie hineingegangen sind.
Warum wir das machen
Manche fragen mich: Warum investiert ihr als Geberalübernehmer im Planungs- und Bau-Sektor in so etwas? Was hat das mit Arbeitswelten zu tun? Meine Antwort: Alles. Wir bauen Räume für Menschen. Aber wenn wir nicht verstehen, was Menschen wirklich brauchen, bauen wir nur Hüllen. Schöne Hüllen vielleicht – aber leer.

Der Workshop am Achensee war für uns kein Teambuilding-Event. Er war ein Bekenntnis: Wir glauben daran, dass innere Entwicklung die Basis für äußere Entwicklung ist. Dass Menschen, die sich selbst kennen, bessere Entscheidungen treffen. Bessere Räume gestalten. Bessere Arbeit leisten.
Im nächsten Teil: Verantwortung ist keine Last – sie ist Vertrauen – Warum wir unsere Führung auf vier Schultern verteilt haben.

Herzlichst
Markus Menzinger
Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Office Group GmbH
m.menzinger@office-group.de
→ ORTE, die berühren → TECHNIK, die trägt → HALTUNG, die bleibt
