Willi Faust, zusammen mit Clemens Rudloff neues Mitglied der Geschäftsführung der Office Group, blickt hinter die Kulissen der größten Bauprojekte und warum die schwierigsten Aufgaben die besten Lehrer sind

Gern gebe ich einen Einblick, wie mich mein Weg zur Office Group führte und mit welchem Profil ich mich sehr gern für die Projekte des Unternehmens Tag für Tag einbringe. Mein Name ist Willi Faust, Jahrgang 1966. Ich habe in meiner Zeit bei der Office Group so manchen Sturm erlebt, so manchen Plan auf den Kopf gestellt und letztlich immer einen Weg gefunden, wenn es darauf ankam. Jetzt, nach Jahren im direkten Projektgeschehen, in denen ich oft als „Feuerwehrmann“ für die „schwierigen Projekte“ zum Einsatz kam, hat sich meine Rolle gewandelt. Es ist eine Veränderung, die ich nicht nur begrüße, sondern als logische Konsequenz einer Reise sehe, die mich durch unzählige Quadratmeter Rohbau und Innenausbau geführt hat.
Die Wurzeln eines Machers: Vom Wohnungsbau zur globalen Chemie
Meine Motivation, in die Geschäftsführung eines Unternehmens einzutreten, wurzelt in einem schon früh ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein. Schon als Jugendlicher war ich Kapitän, später Spielertrainer im Ehrenamt. Mein beruflicher Weg begann nicht in der heutigen Form des modernen Bürobaus, sondern „back to the roots“ im klassischen Wohnungsbau. Nach meinem Bauingenieurstudium an der Fachhochschule – ich war damals 25 Jahre alt und hatte den Stoff von vier Semestern in dreien bewältigt – verbrachte ich zwölf prägende Jahre bei einem Bauträger. Dort war ich hauptsächlich in der Bauleitung für den Innenausbau tätig und habe in dieser Zeit locker 400, 500 Einheiten übergeben, von Wohnhäusern bis zu Reihenhäusern. Es war eine intensive Zeit, die endete, als die Firma leider in Insolvenz ging. Bereits in meiner Zeit als Bauleiter bei dem Bauträgerunternehmen habe ich schnell realisiert, dass für meinen Erfolg, aber auch für den Unternehmenserfolg, unternehmerisches Denken erforderlich ist. Wenn man dieses mitbringt, ist der Weg in die Geschäftsführung nicht mehr weit.
Danach folgte ein radikaler Schnitt: Dreizehn Jahre lang war ich in der Chemie- und Raffineriebranche unterwegs. Als Prokurist und später Betriebsleiter koordinierte ich Projekte weltweit von München aus, von Manching bis Japan. Es war ein sehr gefährlicher Job, die Projekte unglaublich schwierig, und die Vereinbarkeit mit der Familie eine echte Herausforderung. Nach all dieser Zeit hatte es mir „gereicht“. Ich kündigte und wollte eigentlich erstmal zu Hause bleiben. Doch das Schicksal, oder besser gesagt, Astrid, die Ehefrau unseres Geschäftsführers Volker Tibbe, führte mich dann im Rahmen eines Coachings zur Office Group.
Die Feuerprobe: Ein „großer Hammer“ als Einstieg in die Office Group
Als ich Anfang 2019 bei der Office Group anfing, war es gleich “Hardcore“. Mein erstes Projekt war die Denisstraße in München. Eine Generalsanierung und Erweiterung mit einem Investitionsvolumen von rund 25 Millionen Euro und einer Fläche von 16.000 Quadratmetern. Das Gebäude, ein Hochhaus aus den 70ern, sollte entkernt, saniert und erweitert werden. Es war echt ein „großer Hammer“ und ein „schwieriges Projekt“. Wir hatten mit Verzögerungen und diversen Herausforderungen zu kämpfen. Trotz allem gelang es uns, das Projekt „relativ gut in der Zeit“ abzuwickeln. Diese Zeit hat mir gezeigt, dass meine „Macher-Mentalität“ hier genau richtig war, und so entwickelte ich mich schnell zum „Feuerwehrmann“ für die anspruchsvollen Projekte der Office Group.

Von Darmstadt bis München: Herausforderungen meistern
Jedes Projekt birgt seine eigene Geschichte, seine ganz spezifischen Kämpfe und Triumphe. Das Luisencenter in Darmstadt war für mich persönlich ein „Highlight-Projekt“ – und ohne Frage gleichzeitig das „schwierigste Projekt“, das ich bis dahin betreut hatte. Die vertraglichen Rahmenbedingungen, ein globaler Pauschalvertrag, forderten mir alles ab. Ich erinnere mich an siebzig Nachträge im Wert von über einer Million Euro, die zu formulieren waren. Ein „riesen Kampf“ mit dem Bauherrnvertreter, der nicht nur auf dem Papier stattfand, sondern mir auch so manche schlaflose Nacht bescherte. Planerisch war die Kernsanierung mit neuen Fenstern, Oberlichtern, Deckenerweiterungen durch Stahlkonstruktionen und einem problematischen Außenaufzug eine enorme Herausforderung. Wir mussten das Bürgeramt der Stadt Darmstadt auf ca. 4.500 m² neu einrichten, bei einem Investitions- Volumen von 13,5 Mio. € brutto. Doch ich glaube, genau in solchen Projekten zeigt sich, was man als „Macher-Typ“ leisten kann.
Ein weiteres Highlight war für mich der Elisenhof in München. Ein umfangreiches Projekt, das Sanierungen auf mehreren Etagen umfasste und mit seinen rund zwölf Millionen Euro Auftragsvolumen eine ganz andere Art von Herausforderung darstellte. Die Besonderheit hier war nicht nur die schiere Größe der Flächen von über 11.000 m², sondern vor allem die Logistik: Umbaumaßnahmen mussten während des laufenden Betriebs der ansässigen Ladengeschäfte und Büros stattfinden. Das bedeutete, lärmintensive Arbeiten waren zwischen neun und siebzehn Uhr ausgeschlossen. Abbruch- und Rohbauarbeiten verlagerten sich oft in die Nachtstunden, eine stille Choreografie des Fortschritts, die den Geschäftsbetrieb nicht stören durfte. Es war ein ständiges Abwägen, ein Planen im Schatten der Normalität, das mir wieder einmal bewies, dass jedes Gebäude seine eigene Persönlichkeit besitzt und seine eigenen Regeln aufstellt, die man nur durch aufmerksames Zuhören und entschlossenes Handeln verstehen lernt. Diese Projekte, jede für sich ein Unikat, haben mir gezeigt, dass es immer einen Weg gibt, wenn man bereit ist, ihn zu finden, und dass jede Schwierigkeit eine neue Facette der eigenen Kompetenz offenbart.

Die Neuausrichtung: Eine neue strategische Rolle, die mir gefällt
Nach diesen ereignisreichen Jahren verändert sich meine Rolle nun. Ab August 2025 bin ich nun als Prokurist und Mitglied der Geschäftsführung für den Bereich Kostenberechnung und Verträge sowie die Vergabe an Nachunternehmer zuständig. Ich kann die Geschäftsführung mit meiner technischen Kompetenz und meiner Erfahrung als Bauleiter optimal ergänzen, da ich sehr viel mit Zahlen und Kennzahlen zu tun hatte und genau weiß, was Gewerke kosten. Dies ist besonders in meiner neuen Aufgabe als Leiter der Kalkulationsabteilung ein wertvoller Beitrag. Diese Umstrukturierung verschafft mir eine Position, die mir gefällt. Am meisten reizt mich dabei der Unternehmenserfolg und ich meine dabei nicht nur den kaufmännischen Erfolg, sondern den Erfolg aller Beteiligten an den Projekten: von den Auftraggebern über die Nachunternehmer bis hin zu unseren Mitarbeitern, die mit jedem erfolgreichen Projekt wachsen und uns weiterbringen. Es ist ein Wechsel von der direkten Frontlinie, wo ich mit „Zuckerbrot und Peitsche“ Termine „durchdrücken“ musste, zu einer eher strategischeren Aufgabe im Hintergrund.
Die Erfahrungen, die ich als Feuerwehrmann gesammelt habe – die Kenntnis der Fallstricke, der Herausforderungen bei der Planung und Vergabe – fließen nun direkt in die Vorsorge ein. Es ist ein wertvolles Wissen, das wir intern nutzen können, um zukünftige Projekte noch resilienter zu gestalten. Meine Stärken, insbesondere die Fähigkeit, Vertrauen bei Auftraggebern und Nachunternehmern aufzubauen, sind dabei ein wichtiger Faktor.
Blick nach vorn: Wachstum, Kompetenz und der Geist der Office Group
Ich blicke mit positiven Gefühlen in die Zukunft der Office Group. Das Unternehmen ist in meiner Zeit hier „relativ groß geworden“, besonders die Office Group Elektro ist „brutal gewachsen“, und ich erwarte auch für die neu gegründete Office Group TGA ein ähnliches Wachstum. Diese Kompetenzen unserer Tochtergesellschaften “Inhouse” zu haben, ist ein enormer Vorteil, der uns Zeit und Geld spart. Doch für die weitere Entwicklung heißt es für mich, Leidenschaft und Leistungsbereitschaft hochzuhalten.
Eine Unternehmenskultur, die mir wichtig ist, zeichnet sich dadurch aus, dass wir als Dienstleister auftreten. Mein Ziel ist es, dass unsere Kunden uns so sehr vertrauen, dass sie am Ende sagen: „Wir wollen eigentlich nur noch mit der Office Group zusammenarbeiten. Wir wollen gar keinen anderen Wettbewerber beauftragen, sondern die Office Group, weil da sind wir in guten Händen“.
So schaue ich manchmal kritisch auf die allgemeine Homeoffice-Mentalität der jungen Generationen in unserer Gesellschaft. Dies ist für mich als „Macher-Typ“ ungewohnt und lässt nach meiner Meinung die Performance im Berufsalltag mitunter leiden. Aber ich bin überzeugt vom Weg der Office Group. Ich bin mir sicher, wir werden unseren Umsatz in den nächsten fünf Jahren verdoppeln und die Mitarbeiterzahl um 50% erhöhen können, vielleicht sogar noch mehr, wenn man die gesamte Unternehmensgruppe betrachtet. Ich arbeite stets gerne mit motivierten Mitarbeitern zusammen, wo ich mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben kann. Es ist dieser besondere Mix aus Erfahrung, Pragmatismus und dem Mut, Herausforderungen direkt anzugehen, was die Office Group auszeichnet. Ich bin stolz, Teil dieser Geschichte der Office Group zu sein und sie auch weiterhin in meiner neuen Rolle als Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung mitzugestalten.

Meinen Kolleginnen und Kollegen möchte ich zudem mitgeben, dass sie bei einer sehr guten Firma arbeiten, wo sie wahnsinnig viele Freiräume haben und sich super weiterentwickeln können. Kaum eine andere Firma bietet die Möglichkeit, von Leistungsphase 1 bis Leistungsphase 9 alle Bereiche abzudecken. Ich bin überzeugt, dass man nach fünf bis zehn Jahren bei uns einen solchen Erfahrungsschatz gesammelt hat, dass man überall im Bauwesen arbeiten kann.

Herzliche Grüße von
Willi Faust
Mitglied Geschäftsführung der Office Group
