BLOG

Wenn 26 Jahre Generalübernehmer-Erfahrung auf die Zirkularität beim Bauen treffen

Warum ein Juli-Meeting zwischen der Office Group und Concular mehr als nur ein Geschäftsgespräch war – und wie daraus eine Revolution entstehen könnte

Concular 01
MITTENDRIN: Markus Menzinger mit Team zu Gast bei Concular in Berlin-Neukölln

Nach sechsundzwanzig Jahren als Unternehmer habe ich gelernt, dass die wichtigsten Entscheidungen oft in den Momenten fallen, in denen man eigentlich nur miteinander redet. Es war ein schwüler Sommer-Nachmittag, und ich saß in Berlin-Neukölln in den Concular-Räumlichkeiten. Ihr Geschäftsmodell und der Unternehmensname, waren aus den Wörtern „construction“ und „circular“ entstanden. Im Meeting auf unserer Seite dabei junge verantwortliche Leiter von drei Standorten: Jennifer Aust aus Düsseldorf, wo wir gerade unseren neuen Standort und Showroom mit Royal Ahrend etabliert hatten, Linda Kölln, Standortleitung aus Hamburg, Heiko Renninger, der unseren Standort in Berlin leitet. Mit uns im Meeting-Raum saßen die Verantwortlichen von Concular: Franziska Ratsch, Julius Schäufele und Jannis Wenderholm. Menschen, die sich täglich damit beschäftigen, wie man 40% der globalen Treibhausgasemissionen und 60% des weltweiten Abfalls reduzieren kann.

Nach über zwei Jahrzehnten als Generalübernehmer weiß ich, wann ein Gespräch nur Höflichkeit ist und wann etwas Substanzielles passiert. Das hier war Substanz – und es hatte das Potenzial, alles optimal weiterzuentwickeln, was wir mit unseren vier Tochter- Gesellschaften bisher schon aufgebaut haben.

BLICK NACH VORN: Die Teams im Austausch
BLICK NACH VORN: Die Teams im Austausch

Was passiert, wenn bewährte Systeme auf radikale Visionen treffen?

Das Team von Concular redete mit dieser Mischung aus Expertise und Vorsicht, die man nur bei Menschen findet, die wissen, dass sie an einer „radikalen Änderung der Branche“ arbeiten. Ich dachte an unser eigenes Ökosystem: Die Office Group Planen & Bauen als Generalplaner und Generalübernehmer, die Office Group Elektro mit Emin Gülten, der seit 2019 mit über 20 Jahren Elektrobranche-Erfahrung alle unsere Elektro-Projekte betreut, die Office Group TGA – mit Bernhard Bösing in der Leitung – als das „pulsierende Herz“ unserer Bauprojekte, und unsere neueste Gründung, die Office Group Projekt als Projektentwickler.

„Alles.Greift.Ineinander“ – unser Leitspruch bekam plötzlich eine neue Dimension, als das Concular-Team Details von ihrem digitalen Ökosystem für zirkuläres Bauen schilderten. Hier saß ich Menschen gegenüber, die bereits über 700 Bauprojekte begleitet, mehr als 1.000 Gebäuderessourcenpässe erstellt und über 15 Millionen Materialien erfolgreich in den Kreislauf zurückgeführt hatten. Das waren keine Träumer mehr, das waren Praktiker mit einem System, das unsere bewährten Prozesse revolutionieren könnte.

ERFAHRUNGSSCHATZ: Jennifer Aust vom Standort Düsseldorf
ERFAHRUNGSSCHATZ: Jennifer Aust vom Standort Düsseldorf

Der Düsseldorfer Moment: Wenn Expansion auf Innovation trifft

Jennifer aus Düsseldorf hörte besonders aufmerksam zu, und ich wusste warum. Unseren Standort und Showroom hatten wir dort im Juli im Sinne der Zirkularität komplett neu “aufgestellt”. Mit der gelungenen Eröffnung nur wenige Tage vor dem Meeting in Berlin hatten wir selbstbewusst  ein Statement formuliert, wie wir in Zukunft arbeiten wollen. „Was sind die konkreten Schwerpunkte im Portfolio-Spektrum von Concular, die uns helfen können?“, hatte Jennifer gefragt, und ich sah in ihren Augen das gleiche Funkeln, das ich bei mir selbst spürte. Nach 26 Jahren Office Group – letztes Jahr feierten wir ein rundes Jubiläum – stehen wir nun vor der Möglichkeit, eine völlig neue Art des Bauens als Generalübernehmer zu integrieren. Von der ersten Projektidee über Design & Build bis zur Schlüsselübergabe – aber eben mit Materialien, die bereits einen Teil ihres möglichen Lebenszyklus hinter sich hatten.

VERTIEFT: Linda Kölln, unsere Standortleitung in Hamburg und Heiko Renninger, unser Standortleiter in Berlin
VERTIEFT: Linda Kölln, unsere Standortleitung in Hamburg und Heiko Renninger, unser Standortleiter in Berlin

Die Leik-Ahrend-Dimension: Warum Partnerschaften den Unterschied machen

Linda machte sich Notizen, wie sie es immer tat, aber ich sah in  ihrem Blick, dass sie bereits Verbindungslinien zog – zwischen dem, was die Concular-Mitarbeiter über Materialpässe und Urban Mining erzählten und dem, was wir mit unserem verzahnten System aus vier Tochtergesellschaften leisten konnten. Auch Heiko lehnte sich nachdenkend zurück. Für mich ein Zeichen, dass er die Tragweite dessen begriff, was hier diskutiert wurde.

Ich dachte gleichzeitig an unseren Workshop mit Markus Sulz und Stefan Kiss von Leik in Filderstadt vor einigen Monaten. Dort, wo wir über „Arbeit, die Menschen stärkt“ gesprochen haben. Die neue Partnerschaft mit Leik hat uns exemplarisch gezeigt, wie Kompetenzvernetzung funktioniert: Leik bringt Expertise in Büro- und Objekteinrichtung sowie Workspace Design ein, wir sorgen als Generalübernehmer für die präzise Umsetzung. Das „Sporthallen-Konzept“ – Räume mit Möbeln statt mit festen Wänden zu gestalten – war bereits ein Schritt in Richtung Flexibilität und Nachhaltigkeit. Bin gespannt, wie sich das gemeinsam auch in den Planungen für unser neues Headquarter im Mark München präsentieren wird.

Und dann war da noch Felix Kröncke von Royal Ahrend, der als Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft des niederländischen Büromöbelherstellers eine weitere Dimension in unser Netzwerk bringt. Was, wenn wir nicht nur zirkuläre Baumaterialien, sondern auch nachhaltige Büromöbel-Konzepte integrieren könnten? Die Concular-Leute hatten bereits Projekte wie den St. Oberholz Co-Working Space Box 18 in Berlin-Friedrichshain realisiert – einen Space, der auf wiederverwendete Materialien setzte, ohne Kompromisse bei Design und Funktionalität.

UMSETZUNGSBEREIT: Kennenlernen, um Neues zu planen und zu realisieren
UMSETZUNGSBEREIT: Kennenlernen, um Neues zu planen und zu realisieren

Der Moment, in dem aus Theorie plötzlich Praxis wird

Für Die Mieterausschreibung war der Moment, in dem das abstrakte Gespräch über Kreislaufwirtschaft plötzlich konkret wurde. „Können wir in die Planung und Umsetzung auch Komponenten mit hineinnehmen, die direkt die Arbeit vom Konkurrenten mitdenken?“ – eine Frage, die perfekt zu unserem Ansatz passte. Wir waren es gewohnt, als Generalübernehmer alle Gewerke zu koordinieren. Aber was, wenn wir dabei nicht nur auf neue Materialien setzten, sondern auf ein System, das Materialien aus Rückbauprojekten digital erfasst und für neue Projekte zur Verfügung stellt?

Als die Concular-Mitarbeiter ihr System erklärten – wie sie Materialien in Bestandsgebäuden mittels digitaler Materialpässe erfassen, wie sie bei einem Rückbau diese Materialien in ihrer Datenbank zur Verfügung stellen, wie Architekturbüros dann ihren Bedarf in neuen Projekten abgleichen können – sah ich unsere Zukunft vor mir. Nicht nur als Office Group mit vier Tochtergesellschaften, sondern als integraler Teil eines neuen Ökosystems, das die Baubranche transformieren könnte.

HEIMSPIEL: Lounge im Concular-Headquarter
HEIMSPIEL: Lounge im Concular-Headquarter

500.000 neue Jobs: Warum diese Zahlen alles verändern könnten

„In welchen Bereichen sind wir besonders gut und können Concular helfen?“ – die Frage bekam eine neue Bedeutung, als ich unser Leistungsspektrum durch die Brille der Kreislaufwirtschaft betrachtete. Unsere Office Group Elektro plante und realisierte bereits die komplette Elektro- und Netzwerk-Technik, unsere Office Group TGA sorgte für Heizung, Lüftung, Sanitär und Klima. Was, wenn wir diese bewährten Kompetenzen mit Concular’s System für zirkuläre Materialien verbinden könnten?

Die EU-Taxonomie und ESG-Kriterien waren bereits Teil unserer Planungen – Concular bot uns die Möglichkeit, diese nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreffen. Bis zu 20% der globalen Emissionen und 30% des Ressourcenverbrauchs einsparen – das waren keine vagen Nachhaltigkeitsversprechen, sondern messbare Ergebnisse, die wir unseren Kunden bieten könnten. Und die Perspektive von bis zu 500.000 neuen Jobs durch die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft in der Baubranche machte deutlich: Das hier war nicht nur ein Geschäftsmodell, das war eine Bewegung.

Was nach dem Händeschütteln wirklich zählt

Die Partnerschaft mit Leik hatte uns bereits gezeigt, was möglich ist, wenn sich komplementäre Kompetenzen verbinden. Mit Concular ging es um mehr: um die Integration unserer gesamten Wertschöpfungskette – von der Projektentwicklung über die Planung bis zur Ausführung – in ein System, das Materialkreisläufe schließt und dabei neue Geschäftsmodelle ermöglicht.

Ich dachte an unsere Projekte – die Atos-Revitalisierung, den Campus M für die Telekom und manche weitere der letzten Monate. Hier fragte ich mich, wie diese noch mehr mit zirkulären Materialien hätten realisiert werden können. Die Antwort lag nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft, die wir gemeinsam mit Concular gestalten könnten.

STARTPUNKT: Der Anfang ist gemacht
STARTPUNKT: Der Anfang ist gemacht

Warum das erst der Anfang ist

Als das Gespräch zu Ende ging und wir uns die Hände schüttelten, wusste ich, dass dies einer dieser Momente war, die man sich merken würde. Jennifer, Linda und Heiko sammelten ihre Unterlagen, und ich sah in ihren Gesichtern die gleiche Erkenntnis, die ich selbst empfand: Wir standen vor der Möglichkeit, nicht nur unser Geschäftsmodell zu erweitern, sondern Teil einer Bewegung zu werden, die die Art, wie wir bauen, grundlegend verändern könnte.

Der Erfahrungsaustausch war nur der Anfang gewesen. Das Eigentliche würde erst noch kommen – in der Integration unserer bewährten Generalübernehmer-Kompetenz mit Concular’s Vision der Kreislaufwirtschaft, in der Verbindung unserer Partnerschaften mit Leik und Royal Ahrend zu einem Netzwerk, das nicht nur Räume schafft, sondern Zukunft gestaltet.

Nach sechsundzwanzig Jahren weiß ich ganz genau: Das ist der Teil, der wirklich zählt. Aber manchmal, an Tagen wie diesem, spürt man auch: Es ist der Teil, auf den man sich am meisten freuen kann. Die Concular-Mitarbeiter haben uns zum Abschied noch ihren Shop gezeigt – Deutschlands größten Marktplatz für zirkuläre Baustoffe mit Gewährleistung. Während wir informiert wurden, war ich in Gedanken schon weiter: Das hier ist keine Utopie mehr. Das ist die Realität, in die wir hineinwachsen werden.

Herzliche Grüße von

Markus Menzinger
Gründer und Geschäftsführender
Gesellschafter der Office Group